Spitzensport in Berlin: Konkurrenz und Kooperation

S20 hatte Vertreter der Spitzenvereine zur Diskussion eingeladen

Teilnehmer der Diskussionsrunde (v.l.): Cem Herder, Marco Baldi, Ingo Schiller, Marco Rehmer, Bob Hanning und Moderator Stefan Frommann.
Die vier Berliner Bundesligisten sind zusammen mit den Volleyballern und Union Berlin gerade neue Wege gegangen und bieten ein TOP Ticket, mit dem die Fans alle sechs Teams sehen können. „Wir ziehen deshalb an einem Strang, weil wir damit auch die soziale Verantwortung des Sports und gerade des Ballsports unterstützen wollen“, erklärte Bob Hanning, Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin.

„Wir sind ja tatsächlich eine Interessenvertretung, da wir alle ohne öffentliche Unterstützung auskommen müssen. Mit der Aktion stärken wir die Rolle des Sports in Berlin“, ergänzte Marco Baldi, Geschäftsführer der Basketballer von Alba Berlin. In deren Heimstadion, der für Basketball-Verhältnisse riesigen O2 World, fand der Kaminabend von S20 statt, der vom WELT-Sportchef und Berliner Sportkenner Stefan Frommann moderiert wurde. Neben Baldi und Hanning saßen außerdem Ex-Fußballprofi Marco Rehmer, Ingo Schiller, Finanzvorstand von Hertha BSC, und Cem Herder vom Eishockey-Team Eisbären auf dem Podium.

Alle waren sich einig, dass Spitzensport und sportliche Erfolge notwendig sind, um die Stadien zu füllen, aber auch die Preisgestaltung bei den Tickets und die Aktionen an Schulen seien wichtige Faktoren. „Über die Preisgestaltung holen wir die Leute ins Stadion. Aber wenn sie dann keinen Topsport sehen und die Stimmung nicht passt, kommen sie nicht wieder“, sagte Ingo Schiller. Alle fünf Vereine können mit Blick auf die Zuschauerzahlen sehr zufrieden sein, sie liegen alle weit über dem jeweiligen Liga-Schnitt. „Für uns zählt neben Topsport für die richtige Stimmung und Atmosphäre zu sorgen. Ohne Eisbären-Song z.B. geht bei uns gar nichts“, betonte Cem Herder. Atmosphäre zu schaffen war für Alba nach dem Umzug in die neue große Arena nicht einfach. „Technisch sind wir High-End, aber wir versuchen, hier noch mehr Identifikation zu schaffen“, so Baldi. Für die Füchse dagegen war ein Umzug aus dem „Fuchsbau“ Max-Schmeling-Halle kein Thema. Hanning: „Wir sind eine bodenständige Sportart, die Enge braucht. In der größeren Arena wären wir unter die Räder gekommen.“ Im weitläufigen Olympiastadion wiederum, das eben kein reines Fußballstadion ist, ist die Hertha darauf angewiesen, viele Zuschauer bei ihren Spielen zu haben. „Denn sonst kommt gar keine Atmosphäre auf“, meinten Schiller und Rehmer unisono.

Beim Thema Sponsoren spielt die TV-Präsenz eine große Rolle, und da ist die Fußball-Bundesliga weit vor den anderen Sportarten zu finden. Während in Richtung Fans z.T. völlig andere Zielgruppen angesprochen werden und man sich kaum weh tut – „diese Stadt kann viele Spitzenteams vertragen“, so Marco Rehmer - so ist beim Thema Sponsoren natürlich die Konkurrenz spürbar. Lukrative Bandenwerbung ist schwierig außerhalb des Fußballs, waren sich alle einig. „Dabei müssten die großen Unternehmen auch Interesse haben, dass andere Sportarten gut funktionieren, denn davon profitiert der gesamte Sport“, sagte Bob Hanning. Wobei er als Handball-Bundesligist eben weit mehr um große und kleine Sponsoren zu kämpfen hat als die Fußballer. Sowohl der Markt der großen als auch der regionalen Unternehmen, die besonders in den kleineren Sportarten relevant sind, wird dann schnell überschaubar. Was alle Sportvereine wieder eint, ist die Konkurrenz durch die unzähligen Veranstaltungen, die in der Hauptstadt täglich außerhalb des Sports stattfinden. Das heißt für alle fünf: Jeder Spieltag muss ein besonderes Erlebnis sein, dann bleiben die Fans auch treu. 

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