Olympia und Fußball-WM: eine Herausforderung für Vermarkter des deutschen Sports

24.05.2018

„Es ist unbeschreiblich, was wir erleben durften“, sagten Olympiasieger Eric Frenzel und Silbermedaillengewinner Marcel Goc unisono über das Erlebnis Olympische Spiele in Pyeongchang. Doch ebenso wie die DOSB-Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker sehen sie auch die Problematik, die sportliche Großereignisse mittlerweile regelmäßig begleiten, vor Südkorea vor allem die Dopingdiskussionen um Russland und die politische Lage. Alle drei waren bei einer Podiumsdiskussion von S20 unter der Überschrift „Nach Olympia, vor der WM“ in Mannheim dabei, an der außerdem Stefan Ludwig, Geschäftsführer Deutsche Sport Marketing, teilnahm. Die Moderation übernahm Jochen Breyer.

Die vielen Diskussionen im Vorfeld haben auch die Athleten nicht unberührt gelassen, und doch sagt Eric Frenzel: „Ich bin Sportler und will dort meinen Sport bestmöglich machen. Um die Politik sollen und müssen sich andere kümmern.“ Bei den Olympischen Spielen konnte er die Diskussionen auch gut ausblenden. Es seien sehr herzliche und freundliche und einfach die schönsten Spiele für ihn gewesen, „was man in einer Nicht-Wintersportnation nicht unbedingt erwarten konnte“. Frenzel versicherte übrigens im Rahmen der Diskussion, dass er 2022 in Peking noch einmal um Gold kämpfen will. Marcel Goc, der nach der Silbermedaille als Kapitän und aus der Nationalmannschaft zurückgetreten ist, ist froh, dass er die Fragen rund um die Dopingproblematik nicht entscheiden muss. „Es war schon eigenartig, bei der Siegerehrung neben den Russen zu stehen und dann wurde die olympische Fahne hochgezogen, nicht die russische.“

Veronika Rücker fand die Strafen gegen russische Sportler in Ordnung, hätte sich aber gewünscht, dass die Bewährungsfrist länger gedauert hätte. „Durch die schnelle Wiederaufnahme der Russen ist auch die Chance vertan worden, dass sich ein Bewusstseinswandel in Russland beim Thema Doping einstellt.“ Die Auswirkungen der ganzen Diskussion auf die Sponsoren sei überschaubar gewesen, meinte Stefan Ludwig. Als Vermarkter muss er sich der Frage stellen, wie er die Sponsoren des deutschen Sports überhaupt positioniert, da Olympische Spiele ebenso wie eine Fußball-WM zentral von IOC und FIFA vermarktet werden. „Unser Konzept im Deutschen Haus ist voll aufgegangen, die Euphorie war, natürlich auch durch die Erfolge unserer Athleten, von Anfang an da und dort binden wir ja auch unsere Sponsoren ein. Dennoch ist und bleibt das eine Herausforderung für uns Vermarkter.“ Auch Frenzel und Goc hätten gerne ihre persönlichen Sponsoren präsent gehabt, denn schließlich sei die mediale Aufmerksamkeit riesig. Der Vorteil von Olympia sei aber, dass die Randsportarten enorm profitierten, weil sie auch mal in den Fokus rückten.

Tolle Spiele, aber „ein kleines weinendes Auge“ sei schon dabei gewesen, so Rücker, denn für 2018 hatte sich ja auch München beworben. Mitteleuropa sei im Wintersport top, deshalb komme man schon ins Grübeln, wenn München oder Oslo scheitern, sagte Frenzel. Er hoffe, dass es auch in Deutschland bald wieder Olympische Spiele geben werde. Und wie ist die Stimmung in der Bevölkerung, die sich gegen eine Bewerbung für 2022 entschieden hatte? „Ich glaube schon, dass Deutschland in absehbarer Zeit wieder Olympische Spiele durchführen kann. Es ist jedenfalls unsere Aufgabe als DOSB, dieses Ziel zu verfolgen“, sagte Rücker. Mit Blick auf die Zeiträume hält sie sich aber bedeckt. „Wir haben bis 2025 ja noch viel Zeit, um zu entscheiden, ob 2032 oder eher 2036 der richtige Zeitpunkt wäre.“ Initiativen wie die für Olympia Rhein-Ruhr 2032 begrüßt sie, denn es sei gut, dass sich Kommunen oder Regionen wieder stark machen für Olympia, „aber ich bin sicher, dass sie nicht die einzigen bleiben werden, weitere deutsche Städte werden sich das überlegen“.

Und was bedeuten die Erfahrungen mit Olympia für die Fußball-WM? Eric Frenzel ist da skeptisch. Die Erfahrungen mit Olympia in Sotschi seien schlecht gewesen, „da war keine freundliche Atmosphäre und keine gute Stimmung – das Feeling des völkerverbindenden Sports fehlte da völlig“. Er könne sich nicht vorstellen, dass das bei der WM anders sei. Die Diskussionen, dass es hauptsächlich um politische Beweggründe Russlands zur Durchführung solcher Großereignisse ginge, seien hinlänglich bekannt, waren sich alle einig.

Zurück zur Übersicht